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VDA Wochennews KW 36

Liebe Mitglieder, 

liebe Leserinnen und Leser,

mit großen Schritten nähern wir uns der IAA TRANSPORTATION 2026. Ab dem 14. September werden für eine Woche in Hannover die neuesten Innovationen der Transport- und Nutzfahrzeugbranche präsentiert. Zunächst stand allerdings am vergangenen Mittwoch unsere IAA-Pressekonferenz an, in deren Verlauf ich die anwesenden Journalistinnen und Journalisten gemeinsam mit VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel über unsere Programmhighlights und die inhaltlichen Schwerpunkte informiert habe. Der Fokus liegt in diesem Jahr auf innovativen Antrieben, digitalen Technologien und Lösungen für eine emissionsfreie und leistungsfähige Nutzfahrzeugindustrie. Die rund 1.500 Aussteller werden eine Vielzahl an digitalen und klimaneutralen Mobilitätslösungen für die Zukunft des Straßengüterverkehrs präsentieren.

 

Welche Potenziale solche Lösungen erschließen können, wird mit Blick auf einige Kennzahlen deutlich: Knapp 30 Prozent der CO₂‑Emissionen auf Europas Straßen entfallen auf den Schwerlastverkehr und allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als 20 Milliarden Kilometer im Straßengüterverkehr zurückgelegt. Dabei wurden rund 2,8 Milliarden Tonnen Güter transportiert. Zahlen wie diese zeigen aber zugleich die herausragende Rolle der Logistikbranche für die deutsche Wirtschaft. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen am deutschen und europäischen Standort dringend auf das für die Transformation unserer Branche notwendige Niveau zu heben – sei es bei Energiekosten, bürokratischen Hürden oder der Ladeinfrastruktur. Nur so kann der Hochlauf bei den klimaschonenden Antrieben bestmöglich unterstützt werden. Dies gilt sowohl für Nutzfahrzeuge als auch für Pkw.

 

Leider gibt es diesbezüglich noch viel zu tun, insbesondere bei der öffentlichen Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Darauf haben wir als VDA in dieser Woche mit einer eigenen Pressemitteilung erneut und in aller Deutlichkeit hingewiesen. Laut den Kolleginnen und Kollegen von ACEA werden bis 2030 europaweit etwa 35.000 öffentlich zugängliche Megawatt Charging System (MCS) Schnellladepunkte benötigt. Insgesamt sollten es EU-weit bis 2030 sogar bis zu 50.000 Lkw-geeignete Ladepunkte sein. Und in Deutschland? Nach unserer VDA-Einschätzung braucht es hierzulande 2030 rund 4.000 öffentliche MCS-Ladepunkte. Aber wie weit ist dieser Ausbau bisher vorangekommen, welche Erfolge können verbucht werden? EAFO-Daten aus dem Juli 2026 belegen: EU-weit stehen gerade einmal 730 Ladepunkte mit einer Mindestleistung von mehr als 350 kW exklusiv für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Dabei sind E‑Lkw-Fahrer im Fernverkehr ausschließlich mit dem superschnellen MCS in der Lage, die gesetzlich vorgegebenen Lenk- und Pausenzeiten bestmöglich einzuhalten.

 

Doch nicht nur E-Lkw kämpfen mit schwierigen Bedingungen bei der Infrastruktur. Auch die Ausbauziele bei der Wasserstofftankinfrastruktur müssen deutlich ambitionierter werden. Beim VDA gehen wir derzeit davon aus, dass 2030 in Europa rund 2.000 Lkw-geeignete Wasserstofftankstellen mit einer Kapazität von ca. 2 Tonnen Wasserstoff pro Tag benötigt werden, 300 davon allein in Deutschland. Ein Blick auf die EAFO-Daten verdeutlicht auch hier den dringenden Handlungsbedarf: EU-weit gibt es bislang nur rund 150 Wasserstofftankstellen mit 350 Bar sowie 168 Wasserstofftankstellen mit 700 Bar. Rund ein Drittel (31 Prozent) der bestehenden Wasserstofftankinfrastruktur befindet sich in Deutschland. In vielen EU-Ländern, insbesondere in Ost- und Südeuropa, gibt es überhaupt keine Wasserstofftankstellen für Lkw. Mit Blick auf die europaweit vernetzte und aktive Logistikbranche ist das ein eindringliches Warnsignal, welches den deutlichen Nachholbedarf aufzeigt.

 

Grund zur Nachbesserung bietet auch der vom Bundeskabinett diese Woche beschlossene Entwurf eines Einkommensteuerreformgesetzes für 2027. Dieser bleibt deutlich hinter dem Anspruch der Koalition zurück, spürbare Entlastungen und Wachstumsimpulse auf den Weg zu bringen. Besonders kritisch ist, dass Personenunternehmen durch die Beibehaltung des Solidaritätszuschlags und die geplanten Verschärfungen beim Höchststeuersatz im Einkommensteuertarif (sog. Reichensteuer) zusätzlich belastet werden. Angesichts der ohnehin hohen Steuerbelastung im internationalen Vergleich – Deutschland als Hochsteuerland – und der äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage ist das steuerpolitisch das völlig falsche Signal. Statt zusätzlicher Belastungen, die den Unternehmen finanzielle Mittel für Zukunftsinvestitionen und Wachstum entziehen, braucht Deutschland echte Reformen, die sowohl Mittelstand und Personenunternehmen als auch Kapitalgesellschaften entlasten, um so die steuerlichen Rahmenbedingungen für alle Unternehmen zu verbessern. Mit Blick auf die aktuellen Vorschläge der Koalition besteht daher dringender Bedarf für weitergehende Entlastungen und Vereinfachungen im Unternehmenssteuerrecht, die nun von Bundestag und Bundesrat im parlamentarischen Verfahren berücksichtigt werden müssen.

 

Erfreulichere Signale aus der Bundesregierung gibt es dafür beim autonomen Fahren: Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) stellt mit dem aktuellen Förderaufruf bis zu 14 Millionen Euro für die Investition in Fahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion bereit. Das größte Potenzial sehen wir zunächst dort, wo autonomes Fahren konkrete Herausforderungen lösen kann – etwa angesichts des zunehmenden Fahrermangels im Nutzfahrzeugbereich oder auch bei Robotaxis, die neue Mobilitätsangebote schaffen können. Das aktuelle Volumen des Förderprogramms kann jedoch nur ein erster Impuls sein. Perspektivisch sind an dieser Stelle weitere Anstrengungen finanzieller und regulatorischer Natur notwendig.

 

 

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